• Birte Stehle

Was das Loch in deiner Socke über dich sagt...

Aktualisiert: 19. Okt 2019


Nun ist der entscheidende Moment für dich: Du sollst auf die Waage steigen. Irgendwie hattest du das gewusst und doch erfolgreich verdrängt. Wir haben die letzten zehn Minuten über Ziele gesprochen und nun sollst du auf die Waage steigen. Damit du sehen kannst wo es losgeht. Damit du deine Erfolge auch feiern kannst. Dir ist gar nicht gut zumute. Du warst seit Jahren nicht auf der Waage...

Langsam bückst du dich und quälst dich umständlich aus den Schuhen. Das Telefon könnte doch mal klingeln, so dass du nur für dich alleine auf dieses Ding steigen kannst. Ohne Kontrolle, ohne Zuschauer. Und es kommt noch schlimmer! Heiß fährt es dir den Rücken entlang, als du es entdeckst. Du hast ein Loch in der Socke. Wie peinlich! Und jeder kann es sehen. Atmen. Einfach drüber hinweggehen denkst du. Das ist das Normalste der Welt, kann schließlich jedem passieren. Bloß schnell rauf auf diese Waage und wieder runter, Schuhe anziehen. Lass es unbemerkt bleiben, bitte, flehst du innerlich und vollziehst, was sein muss.

Mich hingegen interessiert dein Gewicht auf der Waage fast gar nicht. Es ist absolut nebensächlich, denn diese Zahl ist nur für dich wichtig. Denn du bist hier, weil sie sich ändern soll und deshalb brauchst du genau jetzt diese Zahl, damit du deinen Erfolg messen kannst. Mir ist es egal, was du wiegst.

Ich bin hochinteressiert an dem Loch in deiner Socke. Dieses Loch sagt so viel über dich. Dein ganzes Erscheinungsbild sagt so viel mehr über dich als die genaue Zahl auf der Waage. Es setzt sich wie ein Puzzlestück eines zum anderen zusammen und dein Loch in der Socke fügt noch mehr Details hinzu.

Und du weißt es intuitiv, deine Scham über das Loch in deiner Socke zeigt es deutlich.

Nicht dein körperlicher Hunger ist Schuld an deinem Gewicht, sondern dein seelischer Hunger nach Liebe, Anerkennung, gesehen werden. Dein persönlicher innerer Konflikt, dein Versuch, die Leere in dir zu stillen. Innere Leere verursacht äußere Fülle. Unsichtbarer seelischer Mangel der zu deinem sichtbaren Übergewicht führt. Und das Loch in deiner Socke zeigt mir diesen Mangel, diese fehlende Selbstachtung, diese geringe Wertschätzung, die du dir selber gegenüber hast. Das Loch in deiner Socke zeigt mir dein Loch in deiner Seele. Woran liegt das?

Ich habe im Laufe meiner Coachingpraxis im Wesentlichen zwei Antworten gefunden, auf die es am Ende des Tages hinausläuft. Einerseits suchst du mit deinem Essverhalten etwas anderes als Essen, du benutzt Essen um Gefühle nicht fühlen zu müssen. Um seelische Themen aus deinem Leben auszugrenzen. Du erkennst das daran, dass es immer einen Auslöser für dein Essen gibt und dass es sich eher um ungesunde Nahrungsmittel handelt oder es einfach zu viel ist, was du isst. Mein Blogbeitrag „Der Kanarienvogel ist tot“ gibt dir eine Idee davon, was ich meine.

Und hier möchte ich dich als zweites auf den Mangel an Lebensglück aufmerksam machen. Du sehnst dich nach intensiven Lebenserfahrungen, nach Gefühlen, die dir zeigen, dass du lebst. Ich beobachte immer wieder, dass so viele Menschen in ihren Automatismen des Alltags gefangen sind. Sie leben komplett an der Oberfläche ihrer Möglichkeiten und kommen deshalb kaum mit wahren, echten Gefühlen in Kontakt, schon gar nicht mit Glücksgefühlen. Weil sie nicht an ihre Grenzen gehen, weil sie ihre Komfortzone nicht verlassen, weil sie im Hamsterrad ihren Alltag abspulen und Änderung eher störend empfinden.

Das Leben wird damit jedoch auch als dumpf erlebt, es luscht so weg. Du merkst gar nicht wie deine Zeit verfliegt. Ein Beispiel: Du telefonierst mit einer Freundin und nebenbei schreibst du die Einkaufsliste, du liest ein Buch und deine Gedanken sind bei dem Gespräch mit der Nachbarin über das Heckeschneiden. Welche Gefühle bleiben zurück? Zeitvertreib beim Telefonat und an das Buch hast du keine Erinnerung mehr. Du hast von beidem nichts gehabt. Und dieses Gefühl tritt auch häufig nach dem Essen auf. Ganz egal wie die Qualität der Zubereitung und des Auftischens war, wenn du mit den Gedanken woanders als beim Essen bist, wird das Gefühl bleiben, nichts davon gehabt zu haben. Und damit sättigt es dich auch weniger, du brauchst schneller wieder Nachschub, weil du Hunger bekommst. Hunger nach Lebensgefühl, nach Essensgenuss, nicht nach Nährstoffen.

Wichtige Regel deshalb: Beginne noch heute, mit mehr Bewusstsein zu essen. Halte es wie Buddha: Wenn du isst, das isst du. Kein Buch nebenbei, kein Surfen im Internet, kein Radio oder Fernsehen und wenn du es schaffst, kein Gespräch dabei. Probiere es aus. 5 Minuten Stille beim Essen, dann könnt ihr als Familie ja im Anschluss alles besprechen, was auf der Seele brennt. Wenn ihr gegessen habt, wenn die Teller leer sind und ihr euch gemütlich zurücklehnt um zu reden. Eben dann nur um zu reden....

Und wie immer: Glaub mir kein Wort, probiere es aus!

Herzlich, deine Birte


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