• Birte Stehle

Wenn der Kanarienvogel tot ist

Aktualisiert: 19. Okt 2019


Da isses wieder. Dieses Gefühl, was du so gut kennst, was du so sehr hasst. Es schnürt dir den Hals zu, es treibt dich innerlich völlig um, Unruhe steigt in dir hoch, Wut macht sich im Bauch breit und du fühlst dich total niedergeschmettert.

Was ist geschehen? Heute Morgen hast du es entdeckt: Der Kanarienvogel ist tot. „Wie bitte?“ frage ich. „Der Kanarienvogel ist tot,“ wiederholst du. „Ja.... das ist traurig, das stimmt. Und deswegen musstest du jetzt eine 250 g Marabou-Nuss-Schokolade in einem Stück essen?“ hake ich nach. „Ja, musste ich,“ schniefst du.

Was ist wirklich geschehen? Ja, ich habe es gehört, der Kanarienvogel ist gestorben und das ist traurig ohne Diskussion. Und: Es ist ein Auslöser. Ein Auslöser für deine Reaktion daraufhin eine gehörig große Portion Schokolade zu verdrücken. Das passiert immer und immer wieder. Durch einen bestimmten Auslöser fällst du in dieses Essmuster zurück und stopfst dich zu, vorzugsweise mit einer Süßigkeit.

Mit verheulten Augen schaust du mich an. Im Moment kannst du keinen Zusammenhang erkennen, den ich dir aufzeigen will. Du bist voller Trauer und dir ist ein bißchen schlecht von der ganzen Schokolade. Eigentlich ist dir gerade alles egal, dieses dumpfe Gefühl, diese innere Unruhe, dieses Durcheinander in dir soll weg, bitte, schnief....

Ich schlage dir eine Übung vor und du machst bereitwillig mit, was soll´s auch. Dein innerer Stress ist bei 100%, es kann also nur besser werden, denkst du. Und es ist so wundervoll zu sehen, wie dein Stress sichtlich von Minute zu Minute abfällt. Wie dein Gesicht sich entspannt, dein gesamter Körper weich wird und du in den Stuhl eintauchst, auf dem du sitzt. Die Tränen versiegen und es kommt Klarheit in deine Augen. Nach weniger als einer halben Stunde ist dein Stress bei 0% und du bist zurück in deiner Kraft.

Zauberei? Für dich vielleicht, wenn du das hier liest. Für mich ist das mein normaler Arbeitsalltag. Ein Geschenk. Schau, jeder kennt das: es gibt irgendeinen Auslöser und du reagierst darauf, weil etwas in dir in Resonanz geht, häufig eine Angst die du von früher her kennst. Du kennst diese Angst und hast gelernt, das Essen hilft, bei dir eben die süße Schokolade. Und so ist es vollkommen logisch, dass du beim Aufkommen dieser verhassten Angst (Trauer, ist eine Form der Angst durch Verlust) eine Kopplung, eine Erinnerung daran hast, was damals geholfen hat. Deine Mutter hat dich bei Traurigkeit immer mit Schokolade getröstet, es besteht ein ganz tiefer Glauben in dir, dass Schokolade dir bei Traurigkeit hilft. Wundert es dich wirklich, dass du beim Tod deines Kanarienvogels eine Tafel Schokolade essen willst- ja, fast musst?

Dein Unterbewusstsein, dein Autopilot fährt direkt zum nächsten Einkaufsmarkt mit dir und keine fünf Minuten später sind bereits zwei Riegel in deinen Mund geschoben. So ist es, wenn du es einfach laufen lässt. Wenn es dir nicht gelingt, die Handbremse deines Autopiloten anzuziehen und den Prozess zu stoppen. Und auch, wenn es dir gerade mal wieder nicht gelungen ist, jetzt sprechen wir miteinander und nun ist die Entscheidung gefallen, es in Zukunft anders zu machen. Wie wunderbar. Die weiteren Schritte sind leicht. Wir trennen Auslöser und Reaktion mit einer kleinen Übung voneinander. Schwupp, weg.

Natürlich hat dir Schokolade früher als Tröster geholfen. Nun bist du allerdings erwachsen, bist du dir sicher, dass du mit Schokolade jetzt in dieser Situation nicht mehr traurig bist? Ich meine, du hast sie gerade gegessen, die Trauer dürfte weg sein, oder? Du grinst ein wenig, Du hast gemerkt, dass Schokolade nicht wirklich hilft, du bist immer noch sehr traurig über den Tod von Pieps. Und die Schokolade hat schon gar nicht deinen Kanarienvogel wieder lebendig gemacht. Ok, was jetzt? Also du kreierst eine neue Reaktion und wirst diese noch eine Weile mit der Übung als das neue Verhalten einüben. Auslöser und Reaktion werden voneinander getrennt, neue Reaktion eingeübt, fertig.

Das klingt so leicht? Ja, es ist so leicht! Wenn du dich öffnest, wenn du bereit bist, neue Wege zu gehen und deinem Autopiloten das Steuer aus der Hand zu nehmen.

Ja, damit mache ich deinen Kanarienvogel nicht wieder lebendig, du hast recht. Und die Schokolade, die du gerade verputzt hast kann auch nicht mehr ins Regal zurück. Weil es um beides gerade gar nicht geht. Es geht nur um dein gelerntes Ess-Verhalten, das wir gerade umkreiert haben. Und das wirst du merken, denn lass uns wetten: Wie viel Zeit wird verstreichen, bis der nächster Auslöser versucht, dich vom Weg ins Schlanksein abzubringen? Und je länger du in liebevoller Leichtigkeit dein neues Verhalten eingeübt hast, desto galanter wirst du den Aulöser der Zukunft wegschnippen, denn der kann dich mal...

Du weißt nicht, wie du das alleine hinbekommen sollst? Bei dir ist eben alles noch etwas anders? Macht nichts. Schick mir eine Mail über das Kontaktformular und buche dir dein persönliches Klarheitsgespräch. Ich habe das ja gelernt und liebe es, meine Lösungen an Menschen wie dich weiterzugeben...

Herzlich, deine Birte


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