• Birte Stehle

Warum Keto - Teil 1


Keto ist das neue low Carb habe ich mal gelesen und freue mich darüber, dass immer mehr Menschen sich an die ketogene Ernährung heran trauen. Ich bin nun seit 2005 in der Ernährungsberatung und seit 2008 kenne und lebe ich ketogen, mit vielen, auch längeren Unterbrechungen. Und ich kann nur sagen: In meinen ketogenen Phasen habe ich allenfalls Auseinandersetzungen mit meinen Mitmenschen doch körperlich geht es mir blendend: Keine Süßattacken, keinen Hunger, kein Völlegefühl wie ein Vamp, keine Gewichtsschwankungen (die üblichen 2 rauf, 2 runter) uvm.

Und in diesem Blog geht es mir überhaupt GAR NICHT darum, dass ich Keto als Diätform anpreisen möchte. Was du essen möchtest, überlasse ich dir. Mein Ziel ist ein anderes:

Ich möchte dich EINLADEN, direkt einen weitverbreiteten Glaubenssatz aufzulösen, nämlich, das Fett fett macht. Und da du in meinem Coaching mehr mental an deinen Glaubenssätzen und deinem Kopfkino die Stellschrauben veränderst, gebe ich dir in hier lediglich ein wenig mehr Informationen zu einer Ernährungsform, die gleich schon einmal einsteigt in das Thema. Also trau dich, es auszuprobieren und werfe den fetten Glaubenssatz, dass Fett fett macht gleich als erstes über Bord!

Warum ist Keto aus meiner Sicht also absolut sinnvoll?

Dein Körper verbrennt Fette viel "sauberer", d.h. mit weniger Abfallprodukten und mehr Energieaufwand als Kohlenhydrate. Für dieselbe Menge Energie wird bei der Verwendung von Ketonkörpern weniger Sauerstoff benötigt, deshalb spreche ich von "sauberer" Verabeitung. Und andererseits ist der Aufwand, aus Fettsäuren erstmal Ketonkörper zu bilden, die dann wieder abgebaut werden müssen, viel umständlicher und deshalb energetisch (kalorisch) auch aufwändiger. Dein Stoffwechsel stellt sich durch den Verzicht von Kohlenhydraten erst langsam um und muss lernen, Fett und Ketonkörper als Energieträger zu nutzen. Und hier liegt die Krux: Da dein Körper gewohnt ist, seine Energie aus Kohlenhydraten zu schöpfen, was für ihn easy ist, braucht es eine Phase der Umgewöhnung, in der du dir am besten Unterstützung holst, um zu verstehen, was mit deinem Körper passiert und nicht gleich aufgibst, bevor du richtig angefangen hast.

Ich habe es oben schon erwähnt: Mit Keto hast du keinen Heißhunger mehr. Das war mein größter Gewinn, denn ich gehörte zu den Frauen, die für eine Schokolade auch zu unmöglichen Zeiten immer mal zur Tanke gefahren ist. (Und dann mit schlechtem Gewissen die Sporteinheit verdoppelt hat, so hielt ich wenigstens mein Gewicht, aber wenig liebevoll mit mir selbst...). Und ich wette du kennst diese oft sehr harten und selbstkritischen inneren Gespräche, in denen du dich regelrecht ausschimpfst: "Du bist schwach," "Jetzt hast du es wieder nicht geschafft" oder "Wann lernst du das endlich?". Und ich kann dir nur sagen, wenn du Opfer dieser Heißhungerfallen bist, liegt es nicht daran, dass du mental nicht funktionierst, sondern das dein Körper in diesem Fall komplett panisch auf den zuvor gegessenen Zucker reagiert. Zucker (=Kohlenhydrate) ist nämlich Gift für deine Blutwände. Um den Zucker also möglichst schnell vom Essen, durch das Blut hin zu den Zellen zu schleusen, hilft dir das Hormon Insulin aus der Bauchspeicheldrüse. Viele Kohlenhydrate bedeuten somit viel Insulinausschüttung. Insulin hat nur einen Job und der heißt "Zucker in die Zelle bringen und aus dem Blut herausschaufeln". Das funktioniert blendend und dein Körper hat aus diesem Grund ein Frühwarnsystem eingebaut, dass dich auffordert für Nachschub zu sorgen, damit immer genug Energie vorhanden ist. Das ist ungefähr so wie die Tankleuchte, die leuchtet UND piepst, wenn dein Tank nur noch wenige Liter fasst. Mit einem kleinen aber leider feinen Unterschied: Dein Bitte-Zucker-Nachschub-Frühwarnsystem beginnt Alarm zu schlagen, sobald dein Insulinspiegel absinkt, weil der Job gut gemacht wurde und weniger Insulin für den Zuckerabtransport benötigt wird. Das ist allerdings auch der Zeitpunkt, zu dem deine Zellen rappelvoll mit Zucker sind. Logisch: Insulin hat ja auch seinen Job brillant ausgeführt "Zucker aus Blut in Zelle". Damit ist der Zucker im Blut dann weniger und in der Zelle mehr. Nun war es in der Steinzeit so, dass der Mensch um die 20 Kilometer laufen musste, bevor er die nächste Mahlzeit zusammgesammelt hatte. Deshalb macht es absolut Sinn, das Frühwarnsystem auch richtig früh anspringen zu lassen, denn der Körper war nun für diese 20 Kilometer bestens mit Energie in den Zellen versorgt. Was für eine Katastrophe in unserem heutigen Leben jedoch. Dein Frühwarnsystem springt noch genauso an wie damals, nur ist der Weg zum Zucker nicht mehr so weit.... Dein Körper hat dich in diesem Teufelskreis voll im Griff... Bei Keto passiert dir das nicht, denn durch den Verzehr von ganz wenig Kohlenhydraten gibt es diese Insulinflut im Körper nicht, das ist COOL!

Und noch etwas möchte ich erwähnen: bei der oft so üblichen Ernährung aus Brot mit Marmelade, schnelles Croissant zwischendurch, Pizza oder Pasta zum Mittag und wieder Brot mit Wurst oder Käse zum Abendbrot- Wo sind denn da deine Vitamine und Mineralstoffe? Mit dieser Form von Essen schreien deine Zellen nach mehr, denn sie beten darum, dass du endlich mal Gemüse anreichst. Gemüse ist bei den meisten aber lediglich Beilage. Mal ganz außer Acht gelassen, wo es gekauft wurde und wieviel Vitamine dort tatsächlich noch drin sind.

Zudem möchte ich mit dem Hype aufräumen, dass du stattdessen besser viele Proteine essen solltest. In vielen Sportlerzeitschriften und auch in meiner anfänglichen Ernährungspraxis habe ich genau das empfohlen, was heut überholt ist (und dennoch immer wieder zu hören). Wenn Protein deine Hauptnahrungsquelle ist und du dafür wenig Fett und wenig Kohlenhydrate isst, nimmst du zu wenig Kalorien zu dir und dein Stoffwechsel fährt runter. Er hält dann alles fest um ja nicht weiter abzunehmen und das erschöpft dich komplett. Du bist ständig einfach nur fertig und erschöpft. Wer hauptsächlich Protein als Nahrungsquelle nutzt, benötigt natürlich mehr davon als andere. Aber Achtung: Selbst mit 200 Gramm reinem Protein (das hast du bspw. mit einem Kilogramm Hähnchenbrust) hast du nur ca. 800 Kilokalorien verzehrt. Auch wenn du dir noch ein wenig Fett und Salat dazu gönnst, du wirst es nur knapp auf 1500 Kilokalorien am Tag schaffen. Und da du es besonders gut machst, gehst du zum Sport und trainierst 400 Kalorien wieder ab: Oh je! Da kannst du nur Heißhunger erwarten und völlige Erschöpfung auf dem Sofa.

Und noch mehr: Folgen können Durchfall, Blähbauch, Unwohlsein, niedriger Blutdruck bis hin zum Ausbleiben der Regelblutung sein. Das willst du nicht, oder?

Umdenken ist nötig um deinen Körper aus diesen Panikattacken aufgrund deiner Mangelernährung herauszuholen.

Bei der ketogenen Ernährungsform, das habe ich weiter oben schon erwähnt, nutzt du Fette und Ketonkörper als Energiequelle. Damit holst du deinen Körper sehr galant schon einmal aus der Achterbahnfahrt heraus. Vorbei ist das hin und her zwischen Blutzucker und Insulin hoch, dann runter -Folge Heißhunger- also Blutzucker und damit Insulin wieder hoch...

Du beschränkst dich bei Keto auf Gemüse und zwar alles, was einen geringen Stärkeanteil hat. Und hier darf es bunt sein, denn jedes Gemüse liefert andere Vitamine, darauf achte bitte auch. Proteine sollst du natürlich auch essen und zwar so viele, wie deine Muskeln benötigen und nicht mehr. Es ist nicht nötig, auch nicht als Sportler, 2 Gramm Proteine pro Kilogramm Körpergewicht in dich hinein zu schaufeln. Denn du solltest wissen, wenn du zuviele Proteine isst, werden diese zu Kohlenhydraten abgebaut und damit hast du in der ketogenen Ernährung nicht gewonnen sondern eher kontraproduktiv gehandelt. Dein Umdenken und deine Herausforderung wird Fett sein. Denn die meisten aus meiner Ernährungspraxis sind mit dem Slogan LOW FAD aufgewachsen und das macht immer wieder viele Gespräche und Aufklärung nötig. Es fängt schon damit an, dass viele Menschen nicht wirklich wissen wo sie fettreiche Lebensmittel finden und sich dann erstmal ekeln. Das müssen sie auch, denn sie haben seit frühester Kindheit gelernt, dass Fett BÖSE ist. Und nun komme ich und mache den Vorschlag "nimm doch mal einen Esslöffel feinstes Olivenöl pur oder Butter in den Kaffee". "Mein Gott bist du eklig", höre ich da immer wieder. Warum brauchst du das Fett? Fett verlangsamt deine Verdauung und sättigt dich. Du brauchst Fett für den Aufbau der Zellwände und Fett ist Ausgangssubstanz von Hormonen, z.B. der Geschlechtshormone. Und das allerbeste daran:

Du kommst raus aus der Heißhungerfalle- hatte ich schon erwähnt, oder? Durch die geringen Kohlenhydratmengen legt sich dein Insulin auf die faule Haut, denn du hast ihm sozusagen den Job gekündigt. Wenn der Insulinspiegel jedoch niedrig ist, steigt dein Hormon Glukagon endlich aus dem Tiefschlaf. Glukagon ist der hormonelle Gegenspieler von Insulin und betritt immer dann die Bühne, wenn Insulin die Bühne verlässt. Denn Glukagon hat einen anderen Job. Glukagon öffnet die Fettzellen und lässt Fett aus den Fettpolstern frei, denn irgendwoher muss ja die Energie kommen, wenn Insulin nichts zu tun hat. In deinem bisherigen Alltag (bis gestern ;o)) ) konntest du kein Fett verbrennen, weil du immer im Insulinmodus warst. Nur bei längeren Nahrungskarenzen (Pausen) wie bspw. in der Nacht durfte Glukagon mal dafür sorgen, dass du etwas Fett verbrennst. Insulin versperrt den Fettzellen den Ausgang, da hat dein Körper keine Chance etwas loszuwerden. Deshalb klappt Fettverbrennung bei Keto so gut, denn hier drehst du das Arbeitspensum der beiden Hormone mal um und holst dir Glukagon als Mitarbeiter und Insulin nutzt du als Aushilfe, wenn es mal sein muss. Und es kommt noch besser: zahlreiche Beobachtungen zeigen, dass das ungesunde braune Bauchfett bevorzugt abgebaut wird. Das sog. Viszeralfett ist besonders hormonaktiv und setzt Entzündungsbotenstoffe frei. Dein Körper ist in einer Dauerschleife der Entzündungsbereitschaft. Atherosklerose und in der Folge Herzinfarkt oder Schlaganfall sind den meisten ja bereits neben Diabetes als Folge von Übergewicht bekannt. Oder ein bis zum Anschlag gegenankämpfendes Immunsysten, was dann immer wieder mal erschöpft. Ich kenne das aus meiner Ernährungspraxis: Irgendwie haben viele Übergewichtige plötzlich alles an Krankheiten, was es so gibt. Ist ja auch klar. Der Körper schreit Alarm und versucht mit seinen Symptomen dir zu zeigen, wo es hakt.

So, wie nun anfangen? Schau in den nächsten Blog oder lies noch weitere Vorteile für deinen Körper mit Keto. Ich wünsche dir viel Spaß,

deine Birte


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